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ESO-BERICHT 2016

Merkmale & Gegenstrategien

Von der Plattform gegen antidemokratische Strömungen und LOGO ESO.INFO wurde ein Merkblatt formuliert, dessen Inhalt hier nachzulesen ist.

© OpenClips | pixabay.com

MERKMALE

Merkmale rechter Jugendlicher: Sie verherrlichen die Nazizeit und wollen eine neue nationalsozialistische Diktatur. Feindbilder sind AusländerInnen, AsylantInnen, Linke sowie alle demokratischen Parteien. Das herrschende politische System wird gehasst und oft als vom „Weltjudentum" gelenkt angesehen.

Erklärungsversuche: Verschiedene Thesen versuchen das Phänomen rechter Jugendlicher zu erklären: So werden sie u.a. als „ModernisierungsverliererInnen", als „Produkte der vaterlosen Gesellschaft" etc. bezeichnet. Eine befriedigende, umfassende Erklärung für die deutlich erkennbare Zunahme rechter Jugendlicher gibt es bis jetzt nicht. Auf jeden Fall spiegeln diese Jugendliche die in der Erwachsenenwelt verbreiteten rechtsextremen und ausländerfeindlichen Meinungen.

Strukturen: Während die meisten rechten Jugendlichen ein Protestverhalten ausdrücken und keine intensive ideologische Schulung haben, sind organisierte Kerngruppen, in Deutschland u.a. als freie oder autonome Kameradschaften bezeichnet, ideologisch gut geschult. Sie halten Kontakt zur „frei schwebenden" rechten Jugendszene und rekrutieren geeignete Personen für ihre Kader. Propagandamaterial, CDs einschlägiger Bands (z.B. Rechtsrock) und eine eigene Szenenkleidung wird vor allem über das Internet angeboten. Es gibt ein Netz eigener rechtsextremer Versandshops. Der Rechtsextremismus / Neonazismus ist international gut vernetzt. In etlichen Regionen des deutschen Sprachraums gibt es No Go Areas bzw. „Angstzonen", in denen rechte gewalttätige Jugendliche die Oberhoheit haben. Waren lange nur wenige Mädchen in der Szene, so hat sich der Mädchenanteil in letzter Zeit auf ein Drittel erhöht.

Erscheinungsbilder: Bekanntestes Erscheinungsbild ist der glatzköpfige rechtsextreme Skin in Springerstiefeln. Blood and Honor-Skins und Hammerskins sind hier die bekanntesten Gruppen. Aber auch in anderen Jugendkulturen machen sich rechtsextreme und neonazistische Trends bemerkbar: Im Black Metal das Nationalsozialistische Black Metal, in der Gothic Szene, im Industrial, Neofolk, Techno und Hip Hop. Eine breit gestreute rechte Jugendkultur beeinflusst (Paradebeispiel Ostdeutschland) andere Jugendkulturen.

Längst gibt es langhaarige und freaky aussehende junge Neonazis. Eigene Markenkleidung (z.B. Consdaple ) und Codes (z.B. 88 = Heil Hitler) dienen als szeneninterne Erkennungscodes und sichern gegenüber der Gesellschaft ein eher unauffälliges Erscheinungsbild. Auch linke Identitätsklassiker wie Palästinenserschals und Che Guevara T Shirts werden auf rechten Körpern getragen. Hier dienen sie als Codes antisemitischer Gesinnung.

Daneben gibt es jene (jungen) Studenten, die in schlagenden Burschenschaften, die mit der Demokratie Probleme haben, Mitglied sind.

Identitätsangebot: Die rechte Szene bietet Motivation, Identität, Gemeinschaft und Frust- und Aggressionsabbau durch verbale oder physische Gewalttätigkeiten. Dabei spielt der religiöse, esoterische, okkulte und mythische Bereich eine große Rolle: Germanische Mythologie in der Interpretation, die im Dritten Reich Staatsdoktrin war, Runenmagie und Runenyoga, ein arisch verzerrtes Neuheidentum, Symbole und Sinnbilder, antisemitische Weltverschwörungstheorien, selbst die neuen Hexen werden arisch vereinnahmt. Über das Neuheidentum wird versucht, andere naturreligiöse Erscheinungen wie z.B. die in der offenen Jugendarbeit diskutierte Visionssuche zu vereinnahmen (Arun Verlag).

Organisierte, gewaltbereite rechtsextreme Jugendgruppen weisen Merkmale einer Politsekte auf. Ihre undifferenzierte gut-böse, schwarz-weiß Malerei legitimiert Gewalt gegen anders Denkende und gegen Menschen aus anderen Kulturen. (Parallele: Der religiös-fundamentalistisch gerechtfertigte Terrorismus)

Die Frauenbilder der rechten Szene sind nicht einheitlich. Trotz des erhöhten Mädchenanteils bleibt die rechtsextreme Szene eine extrem patriarchale. Der germanische Krieger, reinkarniert im deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs, ist ein weit verbreitetes Männervorbild.

GEGENSTRATEGIEN

Direkte Strategien: - Politische Aufklärung Jugendlicher auf (zeit)geschichtlicher Grundlage. Diskussionen und die Arbeit mit rechten Jugendlichen ist ohne Wissen über den (Neo)Nazismus meist sinnlos. Diese Diskussion kann nicht nur über die inhaltliche „Gewaltschiene" laufen. - Umfangreiche Schulungsaktivitäten für LehrerInnen und JugendarbeiterInnen etc. - Akzeptierende Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen. Dabei müssen die in Deutschland gemachten Fehler – unbewusste Hilfestellungen für den Aufbau rechtsextremer Strukturen – vermieden werden. - Bei Bedarf Kooperation mit Polizei und Verfassungsschutz

Indirekte Strategien: - Humanistische Menschenbildung, Herzensbildung, Abkehr vom neoliberalen Welt- und Menschenbild - Alternativprojekte im Jugend(kultur)bereich stärken und fördern - Umfassende Demokratieförderung, Ächtung aller totalitären Strömungen - Sinnvolle Integrationspolitik; keine Ghettos - Überwindung des oberflächlichen schwarz – weiß -Denkens, das ganze Gruppen unreflektiert zu Feindbildern macht. Förderung der Fähigkeit zu kritischem Denken und zur Differenzierung. - Toleranz für kulturelle Verschiedenheit im Kontext eines interkulturellen Austauschs.

Dr. Roman Schweidlenka Plattform gegen antidemokratische Strömungen. Für eine demokratische Steiermark aktiv aufstehen und LOGO ESO.INFO

PROJEKTE:

Mitmischen bei den Wahlen in der Steiermark und Vielem mehr. Verbindungen knuepfen, Gemeinsamkeiten entdecken, Bewusstsein schaffen. Beteilige dich an den ersten steirischen Jugendgesundheits-konferenzen! Gesundheitskompetenz in der professionellen, ausserschul. Jugendarbeit.

Stadt Graz, Amt für Jugend und Familie auf www.graz.atLand Steiermark, Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft auf www.verwaltung.steiermark.at

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