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ESO-BERICHT 2016

SCHAMANEN MIT STAATLICHEM GÜTESIEGEL?

Eine Geschichte in Zitaten

© geralt | pixabay.com

Der steirische ESO-Bericht 2012 wirbelte mit folgender Berichterstattung einiges an medialem Staub auf:


STAATLICHE SCHAMANiNNEN

Der Zulauf zu den bei der Wirtschaftskammer angesiedelten Energetikern, die auch esoterische Elemente in ihrem Angebot aufweisen, hält weiter an. In Oberösterreich gibt es seit kurzem sogar Schamanen mit staatlich anerkannter Ausbildung. Die dortige Internationale Schamanismus Akademie wurde durch die WKO zertifiziert. Nunmehr gibt es eine Ausbildung, die, so die Internationale Akademie für Schamanismus, die Ausbildung zum (Neo-)Schamanen mit der zum Energetiker und zum Lebensberater vereint. Das ist Rückenwind für die in der Steiermark seit Jahren boomende Neoschamanenszene. Auch kommerzielle Visionssucheangebote für Jugendliche finden in der grünen Mark Käufer.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit und den Medien hat sich die Republik Österreich offensichtlich von dem ihrer Demokratie zugrunde liegenden wissenschaftlich-rationalen, in der Aufklärung wurzelnden Weltbild teilweise verabschiedet. Naturreligiöse bzw. –magische Weltbilder stehen nun gleichberechtigt neben dem Rationalen. Ob es nun auch zu gerichtlichen Prozessen gegen Schadenszauber praktizierende Hexen und schwarze Magier kommen wird, bleibt abzuwarten.

Nordamerikanische Medizinleute standen und stehen im Widerstand gegen das ihr Land ausbeutende und ihre Kultur zerstörende kapitalistische System. Ihre österreichischen Kollegen werden im Gegensatz dazu vom kapitalistischen System, sprich der Wirtschaftskammer, unterstützt. So verschieden können Kulturen sein!" (1)



Diesem Bericht lag u.a. ein Bericht in Pulsar (2) von Kurt J- Fenkart, selbst (Neo)Schamane und Energetiker, zugrunde: „Die Ausbildung zum Lebensberater an der Schamanismus-Akademie ist der erste Lehrgang in Österreich, der eine Ausbildung in Lebens- und Sozialberatung unter besonderer Berücksichtigung der Methoden der Naturvölker (Schamanismus) ermöglicht!

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Einerseits werden die Ausbildungsteilnehmer zu Schamanen ausgebildet, andererseits können die Absolventen der Ausbildung die Methoden der Naturvölker im Rahmen einer staatlich geregelten Ausbildung beruflich anwenden und als Lebensberater tätig werden."


Wie erwähnt, nachdem ich im ESO-Bericht diese neue Entwicklung thematisiert hatte, schlug der Fall Wellen. Am 28.8.2012 konnten man dann auf der ORF-Homepage lesen (3): „Den Vorwurf, dass Österreich mit der ‚staatlichen Anerkennung einer Schamanenausbildung’ einem naturmagischen Weltbild den Weg ebnet, hält Andreas Herz, Vorsitzender der Zertifizierungsstelle für Lebensberatung des Fachverbandes des gewerblichen Dienstleiter in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), allerdings für verfehlt. Eine zertifizierte Ausbildung zum Schamanen gibt es in Österreich noch nicht.

Im Gespräch mit religion.ORF hält er fest, dass Schamanismus in Österreich von der Gewerbeordnung ausgeschlossen ist. Die Zertifizierung für einen Lehrgang zum Lebensberater sei sehr streng geregelt und unterliege genauen Vorgaben der WKO. Zwar hat die Internationale Akademie für Schamanismus die Zertifizierung für einen Lehrgang zum Lebensberater bekommen. Wenn sie auf ihrer homepage jedoch von Schamanen mit staatlich anerkannter Ausbildung spricht, dann handle es sich dabei um eine unrechtmäßige Vermischung. ‚Das ist kompletter Nonsens’, sagt Herz und kündigt an, dass die WKO die Akademie darauf auch brieflich hinweisen werde."

Im November 2012 bewirbt Fenkart sein Buch „Die Geister des Schamanen", in dem Themen aus einem naturreligiös-magischen Weltbild behandelt werden. „Kontakt aufnehmen zu den unsichtbaren Helfern der Menschheit gelingt" verspricht die Buchwerbung. Das Buch erschien im Ansata-Verlag, dessen politisch sehr weit rechts stehende Bezüge mein Kollege Eduard Gugenberger und ich in den achtziger Jahren des letzten Jahrtausends (4) aufdeckten. U.a. wurden von Ansata damals Werke von Mussolinis Haus- und Hofmagier Julius Evola publiziert, heute eine Gallionsfigur der Neuen Rechten und rechtsextremer jugendlicher Musikszenen.

Wie auch immer – also kein staatlich geprüfter Schamanismus in Österreich? Am 19.2.2013 verkündeten Kurt und Christine Fenkart erfreut in einer Email-Aussendung: „Werden Sie Schamane, Energetiker und Dipl. Lebensberater! ... mit einer qualifizierten Ausbildung an der Schamanismus-Akademie!
Der IACFS Akademie für Schamanismus GmbH wurde von der bei der WKO eingerichteten Zertifizierungsstelle die Genehmigung für die Veranstaltung eines Lehrganges für Lebens- und Sozialberatung unter besonderer Berücksichtigung der Methoden der Naturvölker (Schamanismus) mit der Lehrgangsnummer ... erteilt.
Ob Sie Schamanismus nur für sich, ob Sie Schamanismus als Beruf, ob Sie sich als Energetiker selbstständig machen oder die Diplomausbildung zum Lebens- und Sozialberater wählen und sich dann als Dipl. Lebensberater selbstständig machen, diese Entscheidung können wir Ihnen nicht abnehmen. Was wir können ist: Sie seriös und qualitativ hochwertig auf Ihrem Ausbildungsweg begleiten und Sie darin unterstützen, sich Ihre privaten und beruflichen Träume zu erfüllen. Fordern Sie die aktuelle Info-Broschüre an ..."


Und am 24.3.2013 informiert ein Rund-E-Mail der Schamanismusakademie: „Die Ausbildung zum Schamanen an der Schamanismus-Akademie ist die erste Schamanen-Ausbildung, die mit einem in Österreich staatlich anerkannten Diplom abschließt!
Wir würden uns sehr freuen, Sie bei unserer Ausbildung willkommen zu heißen!"


Doch die Freude währte nicht ewig. Am 14.8.2014 berichtete Ulrich Berger: (5)
Aus für Lebensberatung durch ‚Schamanen’
[...] Im Februar schloss sich die GkD via offenem Brief an eine Konsumentenbeschwerde betreffend Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater an, die eine kritische Grazerin Anfang des Jahres an das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) geschickt hatte. Gegenstand der Beschwerde war, dass eine obskure Schamanismus-Akademie ihren Plastikschamanenlehrgang als Ausbildung zum diplomierten Lebens- und Sozialberater verkaufte. Lebens- und Sozialberatung ist in Österreich aber ein reglementiertes Gewerbe mit gesetzlich festgeschriebenen Ausbildungsstandards. Schamanismus falle gewiss nicht darunter, meinte Frau ... . Einige Monate, diverse e-mails und mehrere Telefonate später konnte uns Frau ... davon berichten, dass offenbar auch das Ministerium dies so sieht."


In Briefen und E-Mails des BMASK an Frau ... , die alle im Juni und Juli 2013 erfolgten, wurde mitgeteilt, „dass ein Entziehungsverfahren durch die WKÖ eingeleitet wurde", „dass uns nun auch schriftlich der Widerruf der Genehmigung [...] seitens der Zertifizierungsstelle vorliegt."


Womit die Jubelrufe für eine staatlich anerkannte Schamanenausbildung (vorerst) verstummt sind. Kurt J. Fenkart begnügt sich nun mit Fundamentalem (6): „Wir brauchen Stadt-, Land- und Dorfschamanen – und zwar in ausreichender Zahl – um eine Wendung zum Wohle der Erde und ihrer Menschen herbeizuführen. Werden Sie Schamane!"

Dr. Roman Schweidlenka


Anmerkungen:

(1) Schweidlenka, Roman: Willkommen beim Weltuntergang. Der steirische ESO-Bericht 2012, S. 17 - 18. Zu finden auf www.logo.at

(2) Bach, Kurt (Hg.): Zeitschrift PULSAR. Nr. 8/2012, S.45.

(3) http://religion.orf.at/stories, 28. 8.12.

(4) Gugenberger, Schweidlenka: Mutter Erde Magie und Politik, S. 129 – 133.

(5) http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2013/08/14/, 17.10.14.

(6) Bach, Kurt (Hg.): Zeitschrift PULSAR. 2/2014, S. 45.


Bundesministerium für Gesundheit: Richtlinie für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zur Frage der Abgrenzung der Psychotherapie von esoterischen, spirituellen und religiösen Methoden, Juni 2014

PROJEKTE:

Mitmischen bei den Wahlen in der Steiermark und Vielem mehr. Verbindungen knuepfen, Gemeinsamkeiten entdecken, Bewusstsein schaffen. Beteilige dich an den ersten steirischen Jugendgesundheits-konferenzen! Gesundheitskompetenz in der professionellen, ausserschul. Jugendarbeit.

Stadt Graz, Amt für Jugend und Familie auf www.graz.atLand Steiermark, Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft auf www.verwaltung.steiermark.at

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