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Backpacking und Wwoofen in Neuseeland

© Johanna Risse

1. Wie kommt man auf die Idee so eine Reise auf eigene Faust nach Neuseeland zu übernehmen?


Auch wenn der Gedanke „Work and Travel" schon lange in meinem Kopf schwirrte, habe ich nach dem Abitur erst einen 6-monatigen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Zu Beginn lässt man sich den Gedanken schnell von Anderen ausreden (ist doch viel zu gefährlich/zu teuer/ schaffst du eh nicht/ du bist doch verrückt/ du bist erst 18). Allerdings wurde dieses „Finger-kribbeln" nach Abenteuer immer und immer größer bis mir klar wurde, dass ich mich mein Leben lang ärgern werde, wenn ich es nicht mache. Für mich war direkt klar: wenn ich es mache, dann mache ich es allein. Ich wollte einfach komplett frei und unabhängig sein. Ich wollte wissen wie es ist, komplett auf sich gestellt zu sein. Klar ist es sicherer zu zweit zu reisen, aber trotzdem muss man in dem Fall immer ein bisschen Rücksicht nehmen und Kompromisse eingehen. Speziell für Neuseeland habe ich mich entschieden, weil es einerseits landschaftlich sehr vielseitig ist (Vulkane/Traumstrände/Berge/Wasserfälle) und es sich andererseits aufgrund der geringen Kriminalitätsrate, der Gastfreundlichkeit und den vielen Unterkunftsmöglichkeiten perfekt für das Backpacken eignet.

2. Was hat deine Familie dazu gesagt?


Meine Familie, insbesondere meine Eltern waren zuerst viel zu besorgt und versuchten es mir auszureden. Um sie zu überzeugen informierte ich mich über alles im Internet und fertigte 6 Monate vor Antritt der Reise eine große „Organisations- und Finanzliste" auf einer alten Tapetenrolle an. In dieser hatte ich alles erklärt: welche Ersparnisse habe ich momentan, wie viel Geld kann ich in den verbleibenden 6 Monaten durch meinen Bundesfreiwilligendienst und meinen Nebenjob als Kellnerin sparen und was muss vor allem vorher organisiert werden (Visa, Flug, Versicherungen, Ausstattung). Am Ende hatte ich unterm Strich genug Geld um mir alles selbst zu finanzieren. Meine Eltern fanden meinen Plan sehr realistisch und haben dadurch gemerkt, wie sehr ich es wirklich will. Ich war so glücklich! Kurz vor Antritt der Reise bekam ich natürlich noch einige „Moralpredigten" gehalten und der Abschied war für uns alle sehr traurig. Während meiner Reise wurde meine Familie dann immer gelassener, da sie gemerkt haben wie gut es mir dort ging und ich eigentlich nie ernsthaft in Gefahr steckte.

3. Wie war das Gefühl als Du in Neuseeland ankamst?


Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Im Flugzeug war ich noch sehr gelassen. Auch wenn ich vorher erst einmal geflogen war, habe ich alles schnell gefunden und auch bei meinem Umstieg in Taiwan war alles sehr übersichtlich. Als ich dann endlich gegen Abend in Auckland ankam, war ich total aufgeregt. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich komplett auf mich allein gestellt. 19 Jahre, keine besonderen Englischkenntnisse, nur ein Rucksack, am Ende der Welt in der größten Stadt des Landes. Ich nahm dann den Bus in Richtung Innenstadt. Während der Busfahrt ging mir so viel durch den Kopf – ist es der richtige Bus? Wo muss ich aussteigen? Wo ist das Hostel genau? Wie verhält man sich überhaupt in einem Hostel? Ich war einfach nur nervös, aber dieses Gefühl habe ich total genossen. Ich hab mich richtig lebendig und auch ein bisschen stolz gefühlt, da ich es wirklich geschafft hatte - ich war angelangt am anderen Ende der Welt.

4. Gab es Startschwierigkeiten?


Direkte Startschwierigkeiten hatte ich abgesehen von nur mittelmäßigen Englischkenntnissen, die sich aber auch schnell verbessert haben, nicht. Ich habe direkt ein paar Deutsche kennengelernt, die mich mit dem Auto mit nach Norden genommen haben. Dort habe ich einen Job in einem Hostel gefunden und habe mit Hilfe anderer Backpacker eine Steuernummer beantragt und ein Bankkonto eröffnet. In Neuseeland gilt allgemein: Wenn du in Schwierigkeiten bist oder Fragen hast – sprich einfach jemanden an. Egal wo du herkommst oder wie schlecht dein Englisch ist, die vielen anderen Backpacker in den Hostels und auch die Einwohner sind mehr als hilfsbereit.

5. Wo hast du gearbeitet?
Ich habe eigentlich nie richtig Geld verdient, sondern bin immer nur „gewooft". Woofing bedeutet eigentlich: Working on organic farms, der Ausdruck wird aber allgemein für das Arbeiten von 3-4 Stunden am Tag für Unterkunft und Verpflegung benutzt. Woofing – Angebote, die in Neuseeland sehr populär sind, findet man sehr leicht im Internet. Die meisten Hotels, Hostels, Campingplätze oder Farmen besitzen überhaupt keine festen Angestellten, sondern stellen nur „Woofer" ein. So haben Unternehmen keine Personalkosten und Reisende können sehr viel Geld sparen. Meine erste Woofing Erfahrung war 4 Wochen in einem Hostel. Ich habe dort jeden Tag 2-3 Stunden die Betten gemacht, die Badezimmer geputzt oder Wäsche gewaschen und durfte dafür umsonst dort schlafen. In Hostels habe ich immer am liebsten gearbeitet, da man sich länger an einem Ort aufhält und so auch Freunde findet. Darüber hinaus habe ich noch auf einer Kuh- und Hundefarm und in einem Restaurant als Pizzabäckerin gejobbt. Trotzdem fallen natürlich laufend Kosten beim Reisen an, die ich allein durch meine Ersparnisse gedeckt habe.
6. Begegnungen, die mir garantiert ewig in Erinnerung bleiben
Ich bin so vielen Menschen aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Charakteren begegnet, doch bin mir sicher, ich erinnere mich noch an Jeden Einzelnen. Besonders die Geschichten, die man sich abends im Hostel erzählt, bleiben mir für immer im Kopf. Man trifft viele Menschen, die grad eine Weltreise machen. Die einen reisen wie im Traum mit ihrem VW-Bus, andere mit dem Fahrrad und einmal traf ich sogar jemanden, der schon von Asien nach Neuseeland per Schiff getrampt ist. Darüber hinaus entstehen natürlich auch echte Freundschaften. Die letzten 3 Wochen bin ich zum Beispiel mit 2 Israelis, die wohl das klapprigste und unordentlichste Auto der Welt hatten, zusammen gereist. Die 2 waren wie Brüder für mich, wir stehen noch heute in Kontakt und mein größter Wunsch ist es, sie endlich wieder zu treffen.

7. Sind die Menschen dort anders als hier?


JA! Sie sind auf jeden Fall sehr gastfreundlich und offen und höflich. Schon wenn ich nur einen Kaffee in der Stadt trank, wurde ich oft aufgrund meines großen Rucksacks voller Neugierde gefragt, wie es mir geht, wo ich herkomme und ob ich Hilfe brauche. Sehr üblich in Neuseeland ist es zu trampen – Auch hier wurde ich nicht nur von den Kiwis mitgenommen, nein, teilweise haben sie mir sogar angeboten bei ihnen zu übernachten. Außerdem ist der Natur- und Umweltschutz in Neuseeland sehr wichtig und das Rauchen ist so gut wie nirgendswo gestattet. Solange man dies respektiert, sind auch die Maoris (Ureinwohner) sehr freundlich. Allgemein werden in Neuseeland viele Dinge sehr lässig gesehen: Um ein Auto zu kaufen musst du nur einmal unterschreiben, ein Bankkonto hast du, nachdem du ein winziges Formular ausfüllst, und wenn man mit der Arbeit am Montag nicht fertig wird, na, dann wird es eben Dienstag erst fertig gemacht. Sie handeln weniger konsumorientiert und heben Zwischenmenschlichkeit hervor. Wieso eine sms schreiben wenn man auch persönlich reden kann? Wieso Dinge kompliziert machen wenns auch einfach geht? Ich wusste, dass Neuseeländer einen extrem guten Ruf besitzen, doch dass sie SO nett sind, hatte ich nicht erwartet.

8. Gab es einen Alltag?


Auf jeden Fall ergibt sich eine Routine wenn du über längere Zeit den gleichen Job hast, aber auch beim Reisen macht man zwar jeden Tag neue Erfahrungen, was jedoch auch zur Normalität wird. Wenn ich in eine Stadt kam, habe ich mir immer zuerst nach einem Stadtplan und nach Sehenswerten Dingen in der Umgebung gefragt. Wenn ich ins Hostel eingecheckt hatte, habe ich gekocht und neue Leute kennengelernt, mit denen ich dann meistens in den nächsten Tagen zusammen etwas unternommen habe. Dann bin ich einkaufen gegangen, habe meine nächsten Ziele geplant und in mein Tagebuch geschrieben. Man sieht jeden Tag neue Dinge, trifft verrückte Leute, macht neue Erfahrungen & lernt dazu. All das muss für Außenstehe alles andere als alltäglich klingen, aber es ist ja eben auch ein Reisealltag, der auf keinen Fall mit dem Alltag zu Hause zu vergleichen ist.

9. Was ich noch hinzufügen möchte: würden sie diese Reise nochmal machen?


Ja, auf jeden Fall! Ich würde bestimmt nicht alles genauso machen, aber diese Reise hat mich für mein Leben geprägt. Ich habe in 5 Monaten mehr fürs Leben gelernt als in 12 Jahren in der Schule. Klar ist es nicht immer einfach, manchmal findet man keinen Job, manchmal sind alle Hostels ausgebucht, manchmal hast werden 17 Kilo auf dem Rücken zu schwer, manchmal muss man Mut beweisen und manchmal fühlt man sich allein. Aber genau deswegen ist Reisen etwas, was uns bildet. Man lernt zu Organisieren, wird selbstsicherer und vor allem weltoffener. Nur ein Problem gibt es: Es macht süchtig und es ist schwer, danach wieder in die Normalität einzusteigen. Das Fernweh danach ist definitiv nicht zu unterschätzen, es wird mich wahrscheinlich für immer verfolgen. Trotzdem würde jedem der meint sich eine Auszeit zu gönnen oder einfach abenteuerhungrig ist, einen Trip wie diesen empfehlen. Träume sind dazu da, sie zur Realität zu bringen! 

Johanna kommt übrigens aus Deutschland, daher Abitur statt Matura usw;) Bitte auch immer aufpassen, weil für deutsche Staatsbürger teilweise andere Regelungen im Ausland gelten als für österreichische Staatsbürger!!!! Zum Beispiel gibt es für Österreicher kein Work & Travel-Visum für Neuseeland!!! Woof ist allerdings möglich....

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Stadt Graz, Amt für Jugend und Familie auf www.graz.atLand Steiermark, Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft auf www.verwaltung.steiermark.at

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